„Klassik-Weltmesse“ nennt sich die Techno Classica in Essen. Um überdeutlich zu betonen, dass man die Nummer 1 im Markt ist. Da ist seit der ersten Classica anno 1989 viel Konkurrenz dazu gekommen, manche Stadt hat gerne die Oldtimer-Klientel bei sich zu Gast. In Essen ist man also auf der ersten und größten Messe dieser Art. Die Zahlen sprechen für sich: 1250 Aussteller zeigten 2500+ Fahrzeuge auf 127 000 Quadratmetern. Mehr als 200 000 Besucher sahen Liebhaberautos im Wert von mehr als 500 Millionen Euro. Da liegt das Problem.

Es ist eine Show der Superlative – der teuren und teuersten Klassik-Modelle. Gezeigt wird, was am meisten gefragt ist: Porsche, Mercedes, Lamborghini, Ferrari … und dann wird es schon sparsam mit der Auswahl. Weil an einem schönen Fiat Spider eben nicht so viel zu verdienen ist wie an einem 911 S. Weil der Volvo 1800 ES  zwar rar, aber nie so teuer wird wie ein Mercedes 300 SL. Und weil der Fan eines Citroen Mehari eben nie so viel Geld für eine Restauration in die Hand nehmen wird wie der Freund eines Lamborghini Miura. Für Vielfalt sorgen nur die Clubs, die Teilehändler und die geduldeten Privatanbieter.

Besonders tragisch trifft es offenbar die Vorkriegsmodelle, die sowieso schon in der Liebhaber-Nische sitzen. Vor fünf Jahren gab es da noch tolle und viele Modelle in Essen zu sehen. Heute freut man sich über einen einzigen Hispano-Suiza oder Panhard-Levassor. Vermutlich wurden die anderen verdrängt von den riesigen Ständen der Hersteller mit perfekten Modellen aus werkseigenen Restaurationsabteilungen. Dort punkten jetzt auch Lamborghini und Land Rover. Jaguar lässt sogar neun alte XKSS wieder aufbauen, die 1957 bei einem Brand zerstört wurden. Neuwagen mit alter Technik – eine Million Pfund pro Stück für Superreiche, bei denen schon viele Klassiker in der Garage verstauben.

Da ist sie dahin, die Oldtimer-Leidenschaft. Vielleicht sollte man aus der Techno Classica zwei Messen machen. Einmal als reine Verkaufsshow schöner, teurer Autos für Leute, die Oldtimer als lnvestition in den Keller stellen. Und einmal für Menschen, die ihren alten, und so gar nicht perfekten Oldtimer liebevoll in Bewegung halten. Und die auf der Classica Gleichgesinnte treffen und sich für Autos begeistern, ohne sie besitzen zu müssen. Und die nach Raritäten suchen. So habe ich habe auf der Classica endlich den Schlüsselmann getroffen, der mir einen Zweitschlüssel für meinen Audi 80, Bj. 1991, gefräst hat. Hurra!Lamborghini Miura auf der Techno Classica 2016

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